Das Verdauungsfeuer – Agni

Im Ayurveda heisst es „Der Mensch ist, was er verdaut“ d.h. was der Körper aus der Nahrung aufnimmt und verarbeitet.

Im Gegensatz zur klassisch westlichen Ernährungslehre, wo man die Lebensmittel nach ihren Inhaltstoffen als gesund oder ungesund deklariert, geht es im Ayurveda mehr darum welche Nahrung der individuelle Körper tatsächlich ver-stoff-wechseln kann, ohne dabei Gifte, Schlacken (Ama) oder zu viel Abfallstoffe zu bilden.

Die Verdauungsleistung eines jeden Menschen hängt jedoch davon ab, wie stark das Verdauungsfeuer (Agni) brennt. Agni wird in unserem Körper vor allem vom thermischen Prinzip Pitta erzeugt und hilft uns das in der Nahrung enthaltene Prana (Energie) freizusetzen und unserem Körper zuzufügen. Aus einem „fremden“ Stoff wie z.B. einem Apfel wird ein „körpereigener“ Stoff, d.h. er wird in Körpergewebe umgewandelt.

Damit Agni in einem angemessenen Mass brennen kann ist ein individueller Ausgleich unserer Vata, Pitta und Kapha-Energien notwendig. Wenn jedoch dieses Gleichgewicht gestört ist, dann wird entweder zu viel oder zu wenig verdaut und langfristig entstehen körperliche Schwachstellen, Blockaden oder Krankheitsbilder.

Die Entstehung von Ama – Schlacken

Eine träge Verdauung kann das Essen nicht richtig verarbeiten, auch die qualitativ beste Nahrung wird dann für unseren Organismus zur Belastung. Die unverdauten Reste übersäuern den Körper und wirken als Giftstoffe. Diese unverdauten, sauren, toxischen Substanzen nennen wir Ama (auf Sanskrit „ungekocht“). Das Ama schwächt unser Verdauungsfeuer weiter und ein noch schwächeres Agni ist immer weniger in der Lage die Nahrung zu verarbeiten, es baut sich immer mehr Ama auf und schliesslich entsteht ein Teufelskreis. Die Gifte schwächen den Körper zunehmend, lagern sich ab und führen zu diversen Blockaden oder Krankheiten.

Eigenschaften von Agni und Ama

Ama hat eine klebrige Konsistenz und hat die Tendenz sich mit anderen Substanzen zu verbinden. Auf diese Weise verursacht es Funktionsstörungen bei Vata, Pitta und Kapha, es verklebt unsere Transportkanäle (Srotas) und lässt „schlechtes“ Gewebe wachsen, wodurch wiederum Krankheiten entstehen können. Typische Symptome von einer Ama-Belastung sind u.a. Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, Zungenbelag, Atemgeruch, allgemeine Lethargie, Verlust der geistigen Klarheit, Depression, Verminderte Immunität sowie Schweregefühl und Steifigkeit im Körper. Auch in psychologischer Hinsicht kann Ama entstehen, z.B. durch das Festhalten an negativen Gefühlen und Gedanken. Unverarbeitete Gefühle und Erlebnisse schwächen unser geistiges Agni und folglich wird auch das körperliche Agni herabgesetzt. Unverdaute Erlebnisse können ebenso toxisch wirken wie unverdaute Nahrung.

Während Ama kalt, feucht, schwer, übel riechend und unrein ist, zeichnet sich ein gesundes Verdauungsfeuer/Agni durch die gegensätzlichen Charakteren wie heiss, trocken, leicht klar, duftend und rein aus.

Die Befreiung von Ama 

Um einen Körper erfolgreich von Schlacken zu befreien bedarf es der Vermehrung von Agni, d.h. das Verdauungsfeuer muss angeregt werden. Dies ist auch ein Grund dafür, weshalb im Ayurveda mit solch einer Vielfalt von verdauungsfördernden Gewürzen und Zutaten gekocht wird. Ständig geht es darum, um unsere innere Flamme der Verdauung (körperlich und geistig) auf einem ausgeglichenen Niveau brennen zu lassen.

Wenn jedoch Anzeichen von Giftstoffen/Ama im Körper gegeben sind muss man die Behandlung in erster Linie auf deren Ausscheidung richten. So wie ein dreckiger Schwamm keine neue Farbe aufnehmen kann, benötigt der menschliche Körper erst eine Reinigung um wieder saubere und nährstoffreiche Nahrung aufnehmen zu können und den Stoffwechsel anzukurbeln. Eine ayurvediche Reinigungs- oder Fastenkur stellt oft eine wirksame Massnahme zur Ama-Beseitigung dar.

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