Die 6 Geschmacksrichtungen – Teil 1: süss – sauer – salzig

Im Ayurveda werden grundsätzlich 6 Geschmacksrichtungen/Rasa und ihren Einfluss auf die Doshas (Vata, Pitta und Kapha) beschrieben. Die Rasas sind:

  • süss
  • sauer
  • salzig
  • scharf
  • bitter
  • herb/zusammenziehend.

Diese geschmacklichen Nuancen haben unterschiedliche Wirkungen auf uns, sie beeinflussen den Stoffwechsel aber auch das Bewusstsein und unsere Emotionen. Sie können spontane Reaktionen im Körper und in der Psyche hervorrufen wie z.B. Entspannung, Hitze, Wut oder Freude.

Grundsätzlich empfiehlt Ayurveda alle 6 Geschmacksrichtungen in einer Mahlzeit zu integrieren. Durch diesen geschmacklichen Ausgleich fühlen wir uns gesättigt und genährt, zudem macht das runde abschmecken auch dem Gaumen Freude. Eine harmonische ayurvedische Abstimmung der Geschmacksrichtungen bekämpft Heisshunger-Attacken und kann emotionale Essstörungen lindern.

Die 6 Geschmacksrichtungen lassen sich ebenso wie die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha von den fünf Elementen herleiten. Sie können entweder ein Dosha verstärken oder abschwächen.

 

SÜSS – madhura

Der süsse Geschmack ist uns von Geburt an bekannt, Muttermilch schmeckt süss. Süss beruhigt, stellt zufrieden und vermittelt uns ein Glücksgefühl. Auf das Körpergewebe wirkt der süsse Geschmack nährend, aufbauend und kräftigend, er steht mit den zwei Elementen Wasser und Erde in Verbindung.

Zu viel Süsse belastet die Verdauung und vermehrt Kapha, langfristig führt es zu Fettleibigkeit. Auf der psychischen Ebene macht uns zu viel Süsse schwer, lethargisch und antriebslos.

Besonders für die Vata-Konstitution ist der süsse Geschmack sehr vorteilhaft, er beruhigt den Geist und auch die Sinne. Der starke Pitta-Stoffwechsel kann von der vitalstoffreichen und nährenden Süsse gut profitieren. Wegen seiner gewebs-aufbauenden Wirkung ist der süsse Geschmack für Kapha-Menschen nur mit Vorsicht zu geniessen.

Erdnahe Gemüsesorten wie z.B. Kürbis, Karotten, Randen etc… haben eine süsse Note. Besonders im Herbst und Frühwinter wird dieses Gemüse wegen seiner kraft- und energiespendenden Wirkung in der Ayurvedaküche sehr geschätzt.

Typische Beispiele von süssen Nahrungsmitteln sind u.a.:

Weizen, Reis, Milch, Ghee, Zucker, süsse Früchte, Süssholzwurzel

Es ist noch gut zu wissen, dass ein Nahrungsmittel mehr als einer Geschmacksrichtung zugeordnet werden kann. Abhängig von der Frucht, kann z.B. eine Orange gleichzeitig sauer und süss sein, oder Birnen sind süss und herb.

 

 

SAUER – amla

Säure wirkt aktivierend, schärft den Geist, fördert die Kreativität und schenkt Leichtigkeit. In der Ayurveda-Küche runden wir z.B. eine Speise mit einem Spritzer Zitronensaft ab oder wir verfeinern ein Currygericht mit etwas Tamarinde. Die saure Nuance hilft, schwer verdauliches leichter und verträglicher zu machen.

Der saure Geschmack entsteht aus der Verbindung von Erde und Feuer, erwirkt erhitzend und appetitanregend. Verdauungssäfte und Speichelfluss werden durch den sauren Geschmack angeregt. Generell sollte der saure Geschmack jedoch in Massen eingesetzt werden, denn zu viel Säure macht uns reizbar, nervös und schlussendlich „werden wir sauer“.

Im Körper führt ein Übermass an Säure zu einer Verflüssigung von Kapha und zu einer Steigerung der Toxine im Blut – auch das Bindegewebe leidet unter zu viel körperlicher Säure.

Der saure Geschmack vermehrt Pitta und Kapha. Vata wird hingegen durch die befeuchtende Wirkung des sauren Geschmacks stimuliert und trockene Nahrungsmittel (z.B. Hülsenfrüchte) lassen sich besser aufspalten.

Saure Nahrungsmittel sind u.a:

Joghurt, Zitrusfrüchte, Beeren, Essig, Tamarinde, Fermentiertes, Tomaten, Hagebutten

 

SALZIG – lavana

Ohne Salz schmeckt das Essen fad, denn Salz verstärkt die Wirkung der anderen 5 Geschmacksrichtungen.

Salz ist lebensnotwendig, es regelt den Wasserhaushalt und es wird über den Schweiss ausgeschieden. Der salzige Geschmack ist den Elementen Wasser uns Feuer zugeordnet, er regt Agni an und wirkt schleimlösend, erhitzend und ist wichtig für die Verdauung.

In Massen genossen, stimuliert der salzige Geschmack das Vata-Dosha denn Salz zieht Wasser an, erweitert die Körperkanäle und wirkt entspannend und nervenberuhigend. Bei Hautbeschwerden, Entzündungen oder anderen Pitta-Störungen sollte man Salz nur mit Vorsicht geniessen. Zu viel Salz erzeugt Trockenheit und fördert die Faltenbildung, es verursacht Störungen des Blutes und führt u.a. zu hohem Blutdruck. Da Salz Flüssigkeiten im Gewebe bindet macht es den Körper schwer und wirkt auf das Kapha-Dosha erhöhend.

Im Ayurveda verwendet man gerne unraffiniertes Natursteinsalz, es ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen.

Salzige Nahrungsmittel sind:

Meer- und Steinsalz, Algen, Sojasauce

 

FORTSETZUNG DER WEITEREN GESCHMACKSRICHTUNGEN FOLGT HIER.

 

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