Tagesroutinen – Mit Ayurveda im Flow

Wir Menschen sind zyklische Wesen: Tages-, Jahres-, Mond- und Lebenszyklus…. all diese Abläufe und Reihenfolgen der Natur beeinflussen unsere Vorgänge im Inneren. Und ob wir nun mit oder gegen den Strom der Natur fliessen, langfristig können wir dadurch unser Wohlbefinden beträchtlich beeinflussen. Aus der asiatischen TCM-Lehre kennen wir die Uhr der Organe, im täglichen Energiekreislauf hat jedes Organ eine bestimmte Zeitphase, zu der es auf Höchsttouren läuft.  

Erforsche den Zyklus deiner Natur 

Zu manchen Tages- oder Jahreszeiten verdaut es sich einfach leichter – sowohl mental wie auch physisch können wir dann besser mit „Knacknüssen“ umgehen. Wir sind aktiv, aufnahmefähig und haben genug (Verdauungs-)Feuer für die Transformation. Wenn wir aber die gleiche Kost zu einem anderen Zeitpunkt auftischen, dann kann das Ergebnis gleich ganz anders aussehen, denn unser Organismus hat ganz bestimmte Regenerations- und Ruhezeiten. Wenn wir unsere innere Uhr besser kennen und diese im Alltag berücksichtigen, dann können wir relativ einfach Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen. Wir arbeiten mit den Zyklen der Natur und nicht dagegen. 

Die Berücksichtigung der Tages- und Jahreszeit ist in der Ayurveda-Lehre ein wichtiger Faktor für eine gesunde Ernährung. Oftmals entscheidet der Zeitpunkt der Einnahme über die Verträglichkeit z.B. frische Früchte sind am Morgen besser verdaulich als am Nachmittag, Joghurt am Abend belastet den Stoffwechsel, fermentierte Milchprodukte in der ersten Tageshälfte stärken hingegen die Verdauungskraft. 

«Die Gewohnheit ist wie ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden,

und schliesslich können wir es nicht mehr zerreissen»,

Thomas Mann

Alles was eine Gewohnheit ist geschieht automatisch, ohne grosses Nachdenken ist die Handlung in den Alltag verinnerlicht – z.B. Zähneputzen, duschen oder Händewaschen, das sind Tätigkeiten, die ihren festen Platz im Alltag haben. Mit dem Ayurveda Tagesroutinen probieren wir, Schritt für Schritt, gesundheitsfördernde Gewohnheiten in den Tagesablauf einzubauen. Denn schliesslich sind es selten die einzelnen Ausnahmen, die uns aus der Balance bringen oder krank machen, sondern eher die schlechten bzw. nicht förderlichen Gewohnheiten, mit denen wir ständig und wiederholt gegen unsere Natur arbeiten. 

Dein Tag im Flow mit Ayurveda

Über den Tag verteilt wechseln sich die drei Bio-Energien VATA, PITTA und KAPHA in 24 Stunden je zweimal ab. Wenn du deinen Flow im Leben fördern möchtest, dann ist es wichtig, um die Qualitäten und Wirkungsmechanismen der einzelnen Dosha-Zeiten zu kennen. Es wird dann deutlich, dass es Zeitfenster gibt, die für bestimmte Tätigkeiten oder Routinen von Natur aus besser geeignet sind. Wenn wir also unsere äussere und innere Natur berücksichtigen und auf diesen Wellen surfen, dann schwingen wir in Harmonie mit der kosmischen Ordnung und ganz automatisch fördern wir dadurch langfristig unsere Wohlbefinden. 

Von 2h-6h – VATA-ZEIT 

Dieses Zeitfenster vor Sonnenaufgang, wird auch «ambrosische Stunden» genannt. Raum- und Luftelement sind am klarsten und unser Bewusstsein ist sehr aufnahmefähig. Für Yogis und Meditierende ist dies die ideale Zeit für die spirituelle Praxis oder innere Einkehr.

Ayurveda empfiehlt vor Sonnenaufgang aufzustehen und eine Morgenroutine zu praktizieren, um die frische und dynamische Vata-Energie mit in den Tag hineinzunehmen. 

Von 6h-10h – KAPHA-ZEIT

Mit dem Sonnenaufgang wechselt die Zeitqualität zum schwereren Kapha, bestehend aus den Elementen Erde und Wasser. Die Körperfunktionen sind noch langsam, die Verdauung etwas träge. Um dieser Trägheit und Schwere entgegenzuwirken ist es die beste Zeit für körperliche oder sportliche Aktivitäten – z.B. eine Yoga-Einheit. Alle kapha-erhöhenden Lebensmittel, d.h. alles schwer-verdauliche sollte zu dieser Zeit gemieden werden. Deshalb rät Ayurveda ein leichtes, warmes Frühstück. Kaltes duschen (Ishnaan Hydrotherapie) z.B. regt das Nervensystem an und versorgt die feinsten Blutäderchen mit frischem Sauerstoff.

Von 10h-14h – PITTA-ZEIT

Wenn die Sonne am höchsten steht, dann ist auch unser Verdauungsfeuer am stärksten, sofern wir es nicht durch ein zu schweres Frühstück erstickt haben. Deshalb empfiehlt Ayurveda die Hauptmahlzeit zur Mittagszeit einzunehmen. Je nach Körpertyp können dann pflanzliche oder auch tierische Proteine mit Rohkost, gekochtem Gemüse und Kohlenhydraten kombiniert werden. Ein gutes Mittagessen schafft einen harmonischen Ausgleich der 6 Geschmacksrichtungen und verleiht uns Kraft und Ausdauer für die zweite Tageshälfte. 

Von 14h-18h – VATA-ZEIT

Die Vata-Energien am Nachmittag sind ideal für geistige Leistungen und kreative Tätigkeiten.  Generell ist unser Stoffwechsel in der zweiten Tageshälfte eher labil. Wenn wir über den Tag verteilt warmes, abgekochtes Wasser trinken fördern wir die Verdauung. Zwischen den Mahlzeiten sollten wir ausreichend Pausen einhalten bis sich das natürliche Hungergefühl wieder meldet. Gegebenenfalls am Nachmittag einen gesunden Pausen-Snack einlegen mit Chai, Trockenfrüchten oder Nüssen, damit unsere Energie bis zum Abendessen durchhält.

Von 18h-22h – KAPHA-ZEIT

Die Sonne geht unter und auch unser inneres Verdauungs-Feuer wird wieder schwächer. Die wichtigsten Verdauungsenzyme werden nach 20h00 nicht mehr hergestellt, deshalb ist ein frühes Abendessen von Vorteil. Alle leichten, wärmenden Speisen wie z.B. Suppen, leichte Eintöpfe,  gedünstetes- oder Ofen-Gemüse entsprechen den Qualitäten des Kapha-Doshas am Abend. Schwer verdaubare Speisen und Rohkost wollen wir am Abend besser meiden. Ein ruhiger, entspannter Abend bereitet dich auf die Nachtruhe vor. Ölmassage, Meditation, Kräutertee, ein schönes Buch oder eine warme Gewürzmilch…jeder sollte das für sich passende Abendritual finden.  Ausreichend Schlaf ist sehr wichtig für die Regeneration der Körperzellen deshalb gehen wir laut Ayurveda im Idealfall vor 22h00 zu Bett. 

Von 22h-02h – PITTA ZEIT 

Zu dieser Zeit sind unsere Verdauungsorgane wieder sehr beschäftigt, vor allem Leber und Galle. Obwohl man nach 22h00 manchmal noch ein Energie-High erlebt oder Heisshunger aufkommt, ist es eine sehr ungünstige Zeit für Nahrungsaufnahme – diese Pitta-Zeit gehört der Regeneration der Organe – es ist Schlafenszeit! Wer zu dieser Zeit so lange wie möglich schläft wird mehr Energie haben, tiefer schlafen und auch weniger Schlaf brauchen um am Morgen ausgeruht aufzustehen. 

Je routinierter und regelmässiger wir diese Phasen der Aktivität und Ruhe bzw. Regeneration einhalten, desto reibungsloser wird unser Organismus funktioniere. «Dinacharaya», wird die ayurvedische Gesundheitspflege genannt, in der wir gesundheitsfördernde Ankerpunkte im Alltag integrieren. Wenn wir mit diesen natürlichen Zyklen mitschwingen, dann fördern wir dadurch auch unsere geistige Klarheit und intuitiv spüren wir, was uns gut und was uns weniger guttut. Wir folgen dem Pfad der inneren Weisheit. 

Zum Abschluss noch ein Tipp: Wenn du deine Tagesroutinen und -Abläufe umstellen möchtest dann übernimm dich nicht, sondern geh langsam an das Projekt ran. Kennst du die Kaizen-Methode? In kleinen Schritten optimieren, nach dem Motto «weniger ist mehr». Nimm einen Vorsatz und bleib dran, übe solange bis er ein Teil von dir ist. 

Von Herzen, Daniela 

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